Diagnostische Zugänge zur Bildungssprache Deutsch

Symposium im Rahmen des GAL-Kongresses 2020 Sprache(n) bilden. Arbeit mit und an Sprache(n) in institutionellen und außerinstitutionellen Kontexten, 08.-11.09.2020 an der Ruhr-Universität Bochum

Leitung: Jana Gamper, Lena Heine

Der Begriff Bildungssprache ist zu einem festen Bestandteil bildungspolitischer Auseinandersetzungen geworden, insbesondere wenn es um Fragen der Bildungsbenachteiligung und gesellschaftlichen Teilhabe geht. Umfassend sind dabei die Bemühungen, für LernerInnen konzipierte Förderprogramme zu implementieren und so die (meist schulische) Lernentwicklung zu unterstützen. Jenseits der unbestreitbaren Relevanz solcher Initiativen für die Praxis und die Bildungsforschung fehlen jedoch nach wie vor zahlreiche Grundlagenkenntnisse zum Erwerb bildungssprachlicher Strukturen auf der einen und zur diagnostischen Erfassung bildungssprachlicher Kompetenzen auf der anderen Seite (vgl. z.B. Pohl 2016). Hinzu kommt, dass Forschungsarbeiten meist das schulische Lernen in den Blick nehmen. Bildungssprachliche Kompetenzen sind jedoch auch außerhalb der Schule sowie für die Wissensaneignung in höheren Bildungseinrichtungen (z.B. der Universität) zentral. Zuletzt stellt sich immer wieder auch die Frage, wer eigentlich einer bildungssprachlichen Förderung bedarf. Im Fokus standen hier lange LernerInnen mit Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache, auch wenn sich mittlerweile die Erkenntnis durchsetzt, dass alle LernerInnen in Bildungsinstitutionen gezielt sprachbezogene Bildungsschritte durchlaufen müssen, unabhängig von ihrem sprachlichen Hintergrund.

Die Desiderata sind, mit Blick auf die aufgeworfene Problematik, somit vielfältig. Zum einen bedarf es eines umfassende(re)n Wissens dazu, wie das Konstrukt Bildungssprache in institutionellen Lehr- Lernkontexten zu operationalisieren ist (Steinhoff 2019) und wie sich LernerInnen in unterschiedlichen institutionellen Kontexten die wichtigsten sprachlichen Merkmale von Bildungssprache aneignen. Zum anderen werden – besondere für LernerInnen ab der Sekundarstufe (vgl. Fornol/Hövelbrinks 2019) – Instrumente und Verfahren benötigt, die auf Erkenntnissen der Sprachentwicklungsforschung aufbauen und im förderdiagnostischen Sinn in die Praxis überführbar sind. Erwerb, Diagnostik und Förderung gehen in dieser Lesart Hand in Hand.

Ziel der Sektion ist es, das Feld der (diagnostischen) Sprachstanderfassung von Bildungssprache in den Blick zu nehmen und ihn in Hinblick auf seine Gelenkfunktion zwischen spracherwerbsbezogener Grundlagenforschung und Sprachförderung abzuklopfen. Dabei soll einerseits im Fokus stehen, ob und wie eine auf Bildungssprache ausgerichtete Sprachstandserfassung das Spektrum diagnostischer Ansätze und Typen (z.B. standardisierte Testverfahren, Profilanalysen, Beobachtungsverfahren) ausschöpfen kann bzw. welche Herausforderungen sich bei der Konzeption entsprechender Instrumente ergeben. Andererseits soll der Blick auf empirisch ausgerichtete Forschungsarbeiten gelenkt werden, die dazu beitragen, Chancen und Probleme einer auf Bildungssprache ausgerichteten Sprachstandsmessung sichtbar und modellierbar zu machen. Willkommen sind jeweils Arbeiten im Bereich des schulischen sowie des außerschulischen Lernens, beides gilt für jüngere und ältere LernerInnen gleichermaßen. Ebenso sind Arbeiten willkommen, die unterschiedliche mehrsprachige Profile von LernerInnen beim Erwerb der Bildungssprache Deutsch untersuchen.

Beitragsvorschläge können vom 01.02.2020 bis zum 01.04.2020 über ConfTool (http://www.conftool.com/gal2020) eingereicht werden. Der Umfang der Abstracts sollte 300 Wörter (zzgl. Literaturangaben) nicht überschreiten. Über die Annahme bzw. Ablehnung Ihres Beitrags werden Sie bis zum 17.04.2020 per Mail informiert.

Literatur

Fornol, Sarah L. & Hövelbrinks, Britta (2019): Bildungssprache. In: Jeuk, Stefan & Settinieri, Julia (Hrsg.): Sprachdiagnostik Deutsch als Zweitsprache. Ein Handbuch. Berlin: De Gruyter, 467–522.

Pohl, Thorsten (2016): Die Epistemisierung des Unterrichtsdiskurses – ein Forschungsrahmen. In: Tschirner, Erwin; Bärenfänger, Olaf & Möhring, Jupp (Hrsg.): Deutsch als fremde Bildungssprache. Das Spannungsfeld von Fachwissen, sprachlicher Kompetenz, Diagnostik und Didaktik. Tübingen: Stauffenberg, 55–80.

Steinhoff, Torsten (2019): Konzeptualisierung bildungssprachlicher Kompetenzen. Anregungen aus der pragmatischen und funktionalen Linguistik und Sprachdidaktik. In: Zeitschrift für Angewandte Linguistik 71/1, 327–352. DOI: https://doi.org/10.1515/zfal-2019-2019